Heute hab ich zum ersten Mal Blut gespendet.
Die Spendestelle ist nicht leicht auszumachen. Zwei einladende Schranken, einen Infozettel an der Tür (vielleicht leuchtet er ja im Dunkeln!?) und eine Treppe später drücke ich gegen eine Tür und nichts passiert. Ich versuche es nochmal, wieder passiert nichts.
Denn man muss ziehen. Sowas, hoffentlich hat's keiner gesehen, denke ich bei mir und gehe hinein. Das Erste was mir ins Auge fällt, ist ein mich anfeixender Mann, der einige Meter entfernt an einem Tisch sitzt und ein Marmeladenbrötchen isst. Es ist eine Glastür und natürlich hat er mitbekommen, wie ich fast an ihr gescheitert wäre. So much for a fancy entrance. Mist.
Ich stehe im Esszimmer für diejenigen, die sich nach ihrer Spende mit Leckerem stärken. Na warte, "I'll be back" schreie ich dem gehässig Lachenden in Gedanken entgegen und wende mich zur Annahmestelle.
"Hallo, ich möchte gerne Blut spenden." - Ich komme mir vor wie Loriot in der Szene aus Papa ante portas, in der er den Lebensmittelladen betritt und laut verkündet "Meine Name ist Lohse. Ich kaufe hier ein." und muss mich kurz zusammenreißen, um nicht loszulachen.
Personalien vorgezeigt und einen Taschenkalender in die Hand gedrückt bekommen. Dazu noch den obligatorischen Ja/Nein - Fragebogen. "Versuchen sie bitte, ihn auszufüllen." - Hmm, kein leichtes Unterfangen mit Abitur nach nur 12 Jahren.
Juhu, ich bin weder Afrikaner oder Weltreisender, noch schwul, prostituiert, drogensüchtig, ein Häftling oder leide an Tollwut, AIDS oder anderen bösen Krankheiten, also ab ins Labor. Blutuntersuchung.
Mit einem wunderschönen (sic!) Hämoglobinwert und 36°C Körpertemperatur bin ich gut genug. Nun ab zum Doktor.
Beim Doktor.
Der Doktor, im Folgenden nur noch Dr. Doc genannt, geht den Fragebogen auswertenderweise mit mir durch, misst meinen Blutdruck ("der ist gut"), verdonnert mich zu 4 Bechern Cola (Coca) und schickt mich anschließend zur Entnahmestelle.
Orange Liegen erwarten mich. Pieks. Die Schwester will sich unterhalten, sagt, ihr sei so langweilig. Sie tanzt zur Musik aus dem Radio, macht Smalltalk und erklärt mir, wie Spenden bei anderen Spendediensten wie Haema ablaufen und wie oft man spenden kann etc. .
Mein Blut fließt langsam.
Als es vorbei ist, bin ich 500ml Blut ärmer, aber kriege zum Ausgleich gleich nochmal 'ne Cola.
Ich bin erstaunt, wie problemlos mein Körper den Blutverlust wegsteckt, denn ich sah mich in meinen Ängsten bereits mit einem Kreislaufkollaps auf dem Boden liegen, doch ich spüre rein gar nichts. Selbst die Schwester scheint es kaum glauben zu können, prüft ungläubig nochmal meinen Puls und gibt ein "Oh, wow, nicht schlecht" von sich. Vielleicht hat mein Puls den gleichen Rhythmus wie Boom Boom Pow von den Black Eyed Peas, wer weiss.
Ich mache meine anfangs in Gedanken formulierte Drohung wahr, doch der Marmeladen-Typ ist schon weg. Sei's drum. Ein Käsebrötchen und einen Traubensaft später hole ich meine Sachen, verabschiede mich und gehe.
Ich werde wohl wieder spenden, wenn ich darf. Das nächste Mal lasse ich mich allerdings bezahlen :D
benevolent,
PRODIGY
Mittwoch, 30. September 2009
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen